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Wohin geht der Dollar - Teil 2

Montag 05 Januar 2009 | 0 Kommentare | Kategorie: Marktanalyse

Der Euro hat zwischen dem 20. November und dem 17. Dezember 2008 gegenüber dem US-Dollar 15% zugelegt.

In erster Linie wurde diese jüngste USD-Schwäche durch die von der Federal Reserve (Fed)zur Ankurblung der amerikanischen Wirtschaft ergriffenen Maßnahmen ausgelöst:

  • Infolge der radikalen Leitzinssenkung und der Möglichkeit, dass die Fed (u.a.) zukünftig langfristige Staatsanleihen kauft (welche die langfristigen Zinsen in USD nach unten trieb), hat sich die USD/EUR-Zinsdifferenz deutlich zu Gunsten des Euro verschoben. Im zehnjährigen Bereich liegt der Zinsspread inzwischen auf dem höchsten Niveau seit Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung.
  • Nachdem die US-Notenbank die Leitzinsen auf quasi 0% herabgesetzt hat befürchten einige Marktteilnehmer, dass sie nun die Notenpresse anwerfen und damit eine Abwertung des Greenback auslösen wird. (Die Bilanzsumme der Fed hat sich innerhalb eines Jahres bereits verdreifacht. Derzeit hält sie Aktiva im Wert von 20% des Bruttoinlandsprodukts der Vereinigten Staaten in ihren Büchern.)
  • Die Kreditkrise, welche zu einer explosionsartig gestiegenen Nachfrage nach USD führte (Rückführung von US-Kapital, massive Auflösung von auf USD-lautenden Carry Trades, USD-Bedarf von Unternehmen in Schwellenländern), scheint seit Ende Oktober nicht mehr ganz so akut zu sein.

Auf den Devisenmärkten lautet die Frage nicht, welche Währung 2009 die stärkste sein wird, sondern welche sich als die am wenigsten schwache herauskristallisiert. Jedes Land und jede Region kämpft mit Problemen, und in Anbetracht der aktuellen Wirtschaftslage besteht deshalb nirgendwo Interesse an einer starken Währung. Aus verschiedenen Gründen glaube ich persönlich, dass der USD gegenüber dem EUR wieder zulegen könnte:

  • Möglicherweise muss die Europäische Zentralbank schon sehr bald ihrem US-Pendant folgen und die europäischen Leitzinsen senken (die EZB hat derzeit noch das höchste Zinsniveau innerhalb der G7-Staaten), denn die Wirtschaftslage in der Eurozone hat sich deutlich verschlechtert. Die US-Behörden setzen derzeit Maßnahmen um, die einerseits hart an die Grenzen der Orthodoxie stoßen, andererseits jedoch dazu beitragen könnten, dass die Vereinigten Staaten schneller als Europa aus der Wirtschaftsflaute herausfinden. Europa kann und will zudem – mangels einer supranationalen finanzpolitischen Instanz – nicht kurzfristig ein massives Konjunkturprogramm in die Wege leiten.
  • 2009 könnte die Kreditkrise erneut aufflammen und eine weitere Welle von Mittelflüssen in den USD auslösen. Die Ereignisse im abgelaufenen Jahr haben gezeigt, dass dem USD sein Status als Reservewährung in Krisenzeiten zugute kommt. Der Dollar und die Aktienmärkte dürften in den kommenden Monaten weiterhin negativ korreliert bleiben.
  • Nach Stephen Jen, Devisenstratege bei Morgan Stanley, sollten nicht die Fundamentaldaten des USD und des EUR verglichen werden, sondern vielmehr jene der faktischen USD-Zone (USA plus Asien) mit denen des faktischen Euro-Raums (Eurozone plus Osteuropa). Seine Begründung: Die wichtigsten asiatischen Währungen (insbesondere der chinesische Yuan) sind mehr oder weniger direkt an den USD, die Währungen der osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten an den Euro gekoppelt. In diesem Szenario würde der USD von den guten Fundamentaldaten der asiatischen Volkswirtschaften profitieren, während die schwachen Fundamentaldaten der osteuropäischen Länder den Euro belasten.
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Guy Wagner ist Chief Economist der Banque de Luxembourg.

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