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Wohin geht der Dollar?

Donnerstag 30 Oktober 2008 | 1 Kommentare | Kategorie: Marktanalyse

In den vergangenen drei Monaten hat sich der Dollar um etwa 25% gegenüber dem Euro aufgewertet. Welche Gründe sind für diese Aufwertung verantwortlich, und was sind die Perspektiven für die US-amerikanische Währung?

Unten stehende Grafik zeigt, dass der Dollar seit Juli gegenüber dem Euro wieder aufgeholt hat, was er in den vorangegangenen 18 Monaten eingebüßt hatte. Zwar sind wir noch weit entfernt von den Höchstständen von 2001, doch muss festgehalten werden, dass der US-Dollar im Moment neben dem japanischen Yen zu den starken Währungen zählt.


Enticklung des Wechselkurses EUR/USD

Die gute Verfassung des Greenback ist insofern verwunderlich, als die amerikanische Wirtschaft auf eine spürbare Rezession zuzusteuern scheint. Es gibt hierfür jedoch mehrere Gründe:

  • Die Schwierigkeiten in Europa: Die jüngsten Wirtschaftsindikatoren lassen auf eine sehr deutliche Konjunkturverlangsamung in Europa schließen. Hinzu kommt, dass die Bankenkrise in Europa wesentlich schlimmer zu sein scheint als in den USA. Außerdem haben die Ereignisse der vergangenen Monate gezeigt, dass die Eurozone für eine derartige Krise nicht gerüstet ist, obwohl die europäischen Regierungen bei den Rettungsplänen gute Arbeit geleistet haben. Dies liegt daran, dass es keine supranationale Behörde mit der notwendigen Kompetenz gibt, autonom über Wirtschaftsthemen zu entscheiden. Kein Staat wollte seine Hoheit auf diesem Gebiet bei Einführung des Euros aufgeben. Im Gegensatz zu den Zentralbanken u. a. der USA und Großbritanniens hat die Europäische Zentralbank (EZB) keine Autorität über die nationalen Bankensysteme. Ohne eine supranationale Besteuerung kann die Eurozone keine Liquiditäten direkt in das Bankensystem pumpen.
  • Das Ende der zinspolitischen Straffung seitens der EZB.
  • Das sinkende Handelsbilanzdefizit der USA: Dieser Rückgang ist bedingt durch höhere Ausfuhren, niedrigere Energiekosten und eine schwache Binnennachfrage. Da der letztgenannte Trend erst am Anfang steht, dürfte das Außenhandelsdefizit der USA also weiter schrumpfen.
  • Kehrtwende bei den Kapitalströmen - 1. Die gestiegene Risikoaversion löste einen Kapitalrückfluss in großem Umfang aus. Angesichts des großen Volumens an amerikanischem Kapital hatte dieser Rückfluss positive Auswirkungen auf den Dollar.
  • Kehrtwende bei den Kapitalströmen - 2. In den vergangenen Wochen kam es zu einer massiven (Zwangs-)Auflösung der sogenannten "Carry trades" (Anleger beleihen Devisen mit niedrigen Zinsen und legen den Ertrag in Devisen mit hohen Zinsen an). Dollar und Yen waren die beiden Währungen, die größtenteils zur Finanzierung dieser "Carry trades" herangezogen worden waren. Beide Währungen gewinnen derzeit deutlich an Wert, der Yen noch stärker als der Dollar.
  • Kehrtwende bei den Kapitalströmen - 3. Zu den "Carry trades" kommt die Tatsache, dass etliche Unternehmen in vielen Schwellenländern den Dollar anscheinend als Finanzierungswährung für ihre Aktivitäten genutzt haben oder in umfangreiche Dollar-Spekulationsgeschäfte verwickelt waren. Der ursprüngliche Gedanke bestand darin, dass die Zinsen in USD deutlich unter den Zinsen in ihrer lokalen Währung lagen. Besonders brasilianische und mexikanische Unternehmen schienen aufgrund des lange Zeit gegenüber Real und Peso sich abwertenden Dollars der festen Überzeugung, dass das Risiko einer Verschuldung in Dollar sehr gering sei. Daher stehen etliche Firmen heute vor einem hohen, täglich wachsenden Schuldenberg. Außerdem besitzen die Zentralbanken der Schwellenländer im Gegensatz zu den G7-Staaten keine "Swap lines" (gegenseitige Vereinbarungen zur Bereitstellung von Liquidität) bei der Federal Reserve, die ihnen wiederum den Erwerb von Dollars ermöglichen. (SEIT ERSCHEINEN der fr. Version dieses Artikels hat sich dies jedoch geändert da die amerikanische Zentralbank heute mitgeteilt hat, dass sie mehreren Schwellenländer-Zentralbanken - Brasilien, Mexiko, Singapur, Südkorea - eine Swap-Linie von je 30 Milliarden Dollar zur Verfügung stellt.)

Die oben beschriebenen Faktoren werden die Entwicklung des Dollars in den nächsten Monaten weiter bestimmen. Somit dürfte der Dollar gegenüber den meisten Devisen weiter an Wert zulegen, zumal die nachfolgende Grafik zeigt, dass die amerikanische Währung von ihrem Höchststand von 2001 noch weit entfernt ist.


Enticklung des Wechselkurses EUR/USD

Eine deutlichen Erholung des Dollars liegt jedoch nicht im wirtschaftlichen Interesse der USA. Will die amerikanische Wirtschaft eine ernsthafte Rezession vermeiden, muss der schwache Privatkonsum in den nächsten Quartalen von höheren Staatsausgaben und steigenden Exporten kompensiert werden. Eine Aufwertung des Dollars würde die seit einigen Monaten verzeichnete Erholung des US-Exports jedoch gefährden.

Kommentare

green bowel movements sagte:

[Trackback] good stuff - great blog!

14 Dezember 2009 - 03:27 AM

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Guy Wagner ist Chief Economist der Banque de Luxembourg.

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