Der 700¬Milliarden-Rettungsplan, der dem Kongress vom Finanzministerium vorgelegt wurde, zielt auf die eigentliche Ursache der aktuellen Krise indem er die schlechten Kreditpapiere aus dem Finanzsystem nehmen soll.
Trotz der Schwere der Krise hatten die Behörden bisher lediglich mit begrenzten ad hoc Maßnahmen reagiert. Das jetzt dem Kongress vom US Treasury Department vorgelegte Rettungspaket zeigt, dass die Behörden das auf dem globalen Finanzsystem und der Realwirtschaft lastende Risiko inzwischen angemessen einschätzen.
Das vorgeschlagene Rettungspaket wird oft mit der Resolution Trust Corporation der späten 1980er und frühen 1990er Jahre verglichen, die zur Lösung der Sparkassenkrise eingerichtet worden war. Der Rettungsplan würde dem Staat erlauben, schlechte Kredite für bis zu 700 Milliarden $ zu kaufen. Indem diese schlechten und illiquiden Aktiva aus den Bilanzen der Finanzinstitute genommen würden, sollte sich das Finanzsystem wieder stabilisieren und die Banken könnten wieder ihr Geschäft der normalen Kreditvergabe aufnehmen.
Die jetzt von den Behörden ergriffenen Maßnahmen zielen erstmals auf die eigentliche Ursache der Krise: Enorme Summen von riskanten Hypotheken-Papieren und große Mengen strukturierter Finanzinstrumente, die auf diesen Krediten basieren. Werden diese Schulden aus dem Finanzsystem genommen, so trägt das dazu bei, dass die Liquidität des Marktes wieder hergestellt werden kann. Diskussionen zum Thema „Moral Hazard“ sind in der aktuellen Situation sinnlos. Der frühere amerikanische Finanzminister Nicholas Brady und der frühere Vorsitzende der Federal Reserve, Paul Volcker schrieben diese Woche in einem Artikel für den Wall Street Journal: „Die Pathologie dieser Krise ist, dass sie – solange sie nicht überwunden ist – das schwächste Glied in der Kette sprengt und dann das nächstschwächste angreift usw.“Die Geschichte lehrt, dass allgemeine Bankkrisen immer massive Steuergelder zur Rettung erforderlich machen.
Geht man davon aus, dass der Kongress in den nächsten Tagen die Gesetzgebung so anpassen wird, dass der Rettungsplan umgesetzt werden kann, stellt sich die Frage, wie sich das auf die Aktienmärkte auswirken wird. Die am Donnerstag letzter Woche begonnene Kursrallye könnte noch eine Weile andauern.
Jenseits dieser kurzfristigen Erholung ist jedoch die entscheidende Frage, ob die Märkte bereits ihre Tiefststände in diesem Börsenzyklus erreicht haben. Der Abbau der Schulden im Finanzsystem und in den ¬amerikanischen Haushalten wird sich fortsetzen. Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne in den klassischen Industrienationen bleiben daher trübe. Die Aktienmärkte scheinen begonnen zu haben, einige Risiken für die Unternehmensgewinne einzupreisen, aber man kann nicht davon ausgehen, dass die aktuellen Aktienkurse bereits all die wirtschaftlichen Risiken berücksichtigen.

2012