Nachrichten und Analysen der Finanzmärkte online mit Guy Wagner
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Nachtrag zum 6ten Gespräch

Mittwoch 29 Februar 2012 | 0 Kommentare | Kategorie: Marktanalyse

Guy :

Wenn man sich das letzte Woche beschlossene Abkommen genauer ansieht, kommt man nicht umhin anzunehmen, dass es darauf hinauszielt, Griechenland aus dem Euro zu bekommen.

Da ist zuerst einmal die Art und Weise, wie das Abkommen zustande kam : Immer neue Auflagen, denen Griechenland zustimmen soll und gleichzeitige Veröffentlichung ‘geheimer’ Dokumente der Kommission die zeigen, dass die Situation in Griechenland weit schlimmer ist als angenommen und die Verschuldung bis 2020 bestenfalls auf 160% des BIP fällt, also weit über den als Planziel angegebenen 120%.

Dann sind es die Auflagen selbst : Diese würden dazu führen, dass Griechenland in den nächsten Jahren bis ins kleinste Detail von seinen ausländischen Gläubigern gemanagt wird. Unabhängig davon, müsste Griechenland bis heute (!) eine Reihe von Massnahmen getroffen haben (unter anderem die Liberalisierung verschiedener Berufssparten, 225 Mehrwertsteueraudits grosser Steuerzahler und eine Kürzung staatlicher Ausgaben für Medikamente von 1,1 Milliarden Euro) welche es in so kurzer Zeit gar nicht umsetzen kann.

Nachdem sie monatelang behauptet haben, dass ein Austritt Griechenlands kein Thema sei, scheinen die Autoritäten in den Gläubigerländern nun zu der Einsicht gelangt, dass es besser ist, getrennte Wege zu gehen.

Dieter :

Der Ausstieg wird auch in den Medien immer mehr diskutiert und in gewisser Weise politisch vorbereitet. Offiziell wurde der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich, ein in der Öffentlichkeit eher zurückhaltender Politiker der Koalitionsregierung, von Frau Merkel zurechtgewiesen, als er meinte, dass sich Griechenland mit Sicherheit leichter außerhalb der Euro-Zone erholen könne. Passiert ist ihm aber nichts. Ich sehe daher dieses Statement als Testballon der Politik um zu sehen, wie die Öffentlichkeit darauf reagiert.

Ganz ähnlich ist es ja in den vergangenen Jahren schon gegangen: am Anfang wurde ein Zahlungsausfall eines europäischen Staates kategorisch ausgeschlossen, jetzt ist er da; am Anfang war die Rede von einem freiwilligen Schuldenschnitt, jetzt ist er quasi-obligatorisch, am Anfang war ein Ausscheiden aus dem Euro undenkbar und jetzt?

Interessant finde ich auch, dass jetzt verschiedene Think-Tanks mit Analysen publizieren, in denen Währungsaustritte in der Vergangenheit untersucht werden. Mich würde es sehr wundern, wenn der Austritt Griechenlands nicht in den kommenden Monaten kommen würde.

Guy:

Dazu passen einige neuere Fakten zu Island, einem Land, das nicht bereit war, wirtschaftlichen Selbstmord zu begehen. Es hat die Schulden seiner im Vergleich zum BIP überdimensionierten Banken nicht garantiert (wie beispielsweise Irland), und es hat die Möglichkeit, Wettbewerbsfähigkeit durch Abwertung seiner Währung wiederherzustellen, nicht aufgegeben.

- Die Ratingagentur Fitch hat das Land kürzlich auf BBB heraufgestuft.

- Die OECD schätzt die Wachstumsrate für 2012 auf 2,4%, nach 2,9% im Jahr 2011.

- Die Arbeitslosenquote wird dieses Jahr bei 6,1% erwartet, nach 7% im abgelaufenen Jahr.

- Das Leistungsbilanzdefizit wird von 11,2% im Jahr 2011 auf 6,1% in diesem Jahr fallen.

Food for thought für Irland und Südeuropa.

 

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Guy Wagner ist Chief Economist der Banque de Luxembourg.

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