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Investmentstrategie (4. und letzter Teil)

Dienstag 15 März 2011 | 3 Kommentare | Kategorie: Marktanalyse
Die defensiven Branchen sind während des Börsenaufschwungs der vergangenen beiden Jahre deutlich zurückgeblieben.


Aus mehreren Gründen glaube ich, dass sich diese Underperformance langsam ihrem Ende zuneigt und Anleger defensive Branchen – insbesondere Telekom, Gesundheit und Lebensmittel/Tabak – aktuell bevorzugen sollten:

  • Die Konjunkturerholung ist meines Erachtens fragil. Unabhängig von strukturellen Wachstumshemmnissen im Zusammenhang mit einer übermäßigen Verschuldung könnten die Ölpreisentwicklung und der Zinsanstieg zusehends negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. In diesem Umfeld dürften die relativ stabilen Gewinne von Qualitätsunternehmen aus dem defensiven Segment in der Anlegergunst wieder steigen.
  • Die defensiven Branchen durchlaufen immer wieder Under- bzw. Outperformance-Phasen. Im historischen Vergleich erscheint die Underperformance der beiden zurückliegenden Jahre jedoch außergewöhnlich.
  • Als logische Folge dieser Underperformance sind diese Sektoren aktuell attraktiv bewertet. Relativ, d.h. bezogen auf den Markt insgesamt sowie auf die zyklischen Branchen, ist ihre Bewertung sogar sehr attraktiv.
  • Im Gegensatz zu den zyklischen Branchen liegen die Gewinnmargen der defensiven Branchen immer noch deutlich unter ihrem letzten Höchststand.
  • Bestimmte defensive Sektoren haben ein erhebliches Schwellenländer-Exposure, und diese Region verfügt über ein höheres Wachstumspotenzial.

Schließlich ging die Underperformance der defensiven Branchen in den zurückliegenden Jahren mit einer massiven Underperformance von Large Caps einher. Nachstehende Grafik zeigt anhand der amerikanischen Börse, dass die Kurse der großen Unternehmen in den vergangenen 10 Jahren stagnierten, während die kleinen und mittleren Unternehmen eine annualisierte Rendite von 8,5% verzeichneten. Diese Situation erklärt sich dadurch, dass Ende 1999 die großen Unternehmen, sowohl absolut als auch im Verhältnis zu den kleineren Unternehmen, sehr teuer waren. Heute ist das Gegenteil der Fall.

 


Kommentare

Yoshua Klingenhäger sagte:

Guten Tag Herrn Wagner,
mein Name ist Yoshua Klingenhäger und ich bin 15 Jahre alt. Aufgrund der aktuellen Ereignisse in Japan leidet die Wirtschaft ja sehr. Mein Vater verpasste leider den Ausstieg aus dem Dax und den Einstieg in die Aktien der alternativen Energien, welche am 15.3 ein + von 5 - 30% erlebten, da die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke in Deutschland für drei Monate ausgesetzt wurde. Mir drängt sich naturlich jetzt der Gedanke auf ob dies bloß Populismis auf Grund der bald anstehenden Wahlen ist oder ob uns wirklich bald eine Atomenergie freie Zeit bevorsteht. Wenn die der Fall wäre dann würde man natürlich auf die alternativen Energien verstärkt zurückgreifen, was einen Anstieg der Aktien in diesem Bereich bedeuten würde. Denken sie es wäre nach diesem rapiden Anstieg noch sinnvoll in solche Aktien zu investieren oder denken sie das das man warten sollte bis sich die Wirtschaft erholt und den Dax zu behalten ???
ch bedanke mich im Vorraus für eine Antwort mit freundlichen Grüßen Yoshua Klingenhäger

15 März 2011 - 09:14 PM

Guy Wagner sagte:

Ich kann Ihnen lhre Frage leider nicht beantworten. Es ist für uns unmöglich Aktien wie Solarworld oder Q-Cells zu bewerten da es für diese Unternehmen zu viele Unwägbarkeiten (wie z.B. die Subventionen für Solarstrom) gibt. Außerdem sehen wir uns außerstande zu bestimmen, welche Unternehmen langfristig zu den Gewinnern im Bereich der alternativen Energien gehören werden. Was die Bewertung dieser Unternehmen angeht, scheint der Markt übrigends die gleichen Schwierigkeiten zu haben. So stand der Kurs von Solarworld in den letzten Jahren sowohl schon bei 48 wie auch bei 7 EUR. Bei Q-Cells waren die Schwankungen sogar noch extremer (Höchstand: 79 EUR, Tiefstand: 2 EUR). Ein Kauf dieser Aktien hat also mehr mit Spekulation als mit Investment zu tun.

16 März 2011 - 12:04 PM

Hu sagte:

Ich bin eher antiyklisch orientiert. Ich habe früher überhaupt keine Solarwerte gekauft. Erst heuer habe ich begonnen, einzelne dieser Aktien zu kaufen. Da ich Mitte März in Urlaub fuhr, erteilte ich Verkaufsaufträge mit hohen Limits, die fasst alle ausgeführt wurden. Glück gehabt! Mit dem Rückkauf werde ich mir noch etwas Zeit lassen, aber nicht zu lange...

05 April 2011 - 06:46 PM

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Guy Wagner ist Chief Economist der Banque de Luxembourg.

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