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Investmentstrategie 2011 (3.Teil)

Freitag 18 Februar 2011 | 0 Kommentare | Kategorie: Marktanalyse

Dividendenstarke Unternehmen

Aus anlagestrategischen Gesichtspunkten sind dividendenstarke Unternehmen sehr interessant. Denn zahlreiche empirische Studien haben nachgewiesen, dass deren Aktien sich meist besser entwickeln als der Gesamtmarkt und zudem noch ein geringeres Risiko aufweisen. Und trotzdem werden diese Titel oft vernachlässigt, weil Anleger wachstumsstarke Unternehmen, welche auf dem Papier scheinbar ein höheres Kurssteigerungspotenzial besitzen, bevorzugen.

Eine der ausführlichsten Studien zum Renditebeitrag von Dividenden stammt von Robert D. Arnott, dem Gründer des US-Unternehmens Research Affiliates. 2003 publizierte er im Financial Analysts Journal einen Artikel, in dem er die Renditequellen der US-Börse zwischen 1802 und 2002 untersuchte. US-Aktien generierten in diesen 200 Jahren eine annualisierte Rendite von 7,9%,  die sich wie folgt aufteilte: 5 Prozentpunkte entfielen auf die Dividende, 1,4 Prozentpunkte auf die Inflation, 0,6 Prozentpunkte auf Kursgewinne und 0,8 Prozentpunkte auf reales Dividendenwachstum.(1)

Das gute Abschneiden einer Dividendenstrategie unter Rendite/Risiko-Aspekten kann nicht wirklich überraschen: Im Rahmen der Fundamentalanalyse gilt eine hohe Dividende als positives Element bei der Beurteilung der Qualität der Unternehmensergebnisse und der finanziellen Gesundheit. Unter quantitativen Gesichtspunkten bietet die Dividende dem Kurs eine gewisse Unterstützung. Wird sie in Baisse-Märkten reinvestiert, lässt sich die für den Ausgleich einer eventuellen Wertminderung nötige Zeit verkürzen. Zudem sind dividendenstarke Aktien – gemessen an ihrem Gewinn bzw. ihrem Eigenkapital – tendenziell meist attraktiv bewertet.

Die Vorteile der dividendenstarken Titel kommen allerdings erst bei einem ausreichend langen Anlagehorizont von mehreren Jahren zum Tragen. Außerdem zeigen empirische Studien, dass Strategien, die hohe Dividenden mit einem geringen Payout-Ratio (POR, Höhe der ausgeschütteten Dividende in Relation zum Gewinn) kombinieren, die besten Renditen erzielen. Da ein zu hoher Payout-Ratio die Nachhaltigkeit der Dividende in Frage stellt, erscheint dies durchaus logisch.

In den Hausse-Märkten der 1980er- und 1990er-Jahre war die Bedeutung der Dividende stark gesunken, vor allem auch aufgrund der ungünstigen steuerlichen Behandlung in den USA. Seither glauben viele Anleger, dass ausschließlich Kurssteigerungen die Rendite einer Aktie bestimmen – der Dividendenfaktor wird ignoriert. In einem von immer kürzeren Anlagehorizonten geprägten Umfeld, in dem Anleger ständig das nächste Kurswunder à la Google oder Apple suchen, erscheint eine Dividendenstrategie zudem nicht wirklich aufregend (Google und Apple schütten derzeit übrigens keine Dividende aus).

Demographische Trends und die Alterung der Bevölkerung könnten indes einen Sinneswandel bei den Anlegern auslösen. Sie werden verstärkt stete Einkünfte anstreben und einen wachsenden Anteil der Rendite von Börsenanlagen in Form von Dividenden (und nicht eines Kapitalzuwachses) wünschen. Dies gilt umso mehr, da die amerikanischen und europäischen Börsen in Anbetracht der aktuellen Bewertungsniveaus in den kommenden Jahren wohl kaum viel mehr als 3% bis 4% p.a. (real) generieren werden. Da Staatsanleihen die ihnen bisher zuerkannte „Risikolosigkeit“ derzeit einbüßen, stellt sich sogar die Frage, ob Unternehmen mit geringer Verschuldung und angemessenen Dividenden – trotz ihrer generell höheren Volatilität – Staatstitel als Standardinstrument im Depot von konservativen Anlegern ablösen könnten. Vor dem Hintergrund der derzeit in Anlegerkreisen verbreiteten Inflationsangst kommt ein weiterer Aspekt hinzu, nämlich, dass die Dividende eines Unternehmens – im Gegensatz zu dem in der Regel fixen Kupon einer Anleihe – durchaus erhöht werden kann. So bieten dividendenstarke Aktien nebenbei einen gewissen Inflationsschutz.

Da Dividendenstrategien unseres Erachtens auf lange Sicht sehr sinnvoll sind, haben wir vor etwas mehr als drei Jahren mit dem BL-Equities Dividend einen Dividendenfonds aufgelegt. Die nachfolgende Grafik zeigt die Entwicklung dieses Fonds seit seiner Auflegung im November 2007 im Vergleich zum Index MSCI All Countries (in Euro) mit und ohne Wiederanlage der Dividenden. Die vorangehenden Beobachtungen werden dabei bestätigt:

  • Betrachtet man ausschließlich den MSCI-Index, so vermindert sich der Anlageverlust bei diesem Index mit der Wiederanlage der Dividenden von 12,3% auf 6%.
  • Der Fonds übertrifft den Index, vor allem da er in Baisse-Phasen weniger nachgibt.
  • Trotz einer der schlimmsten Baisse-Märkte der Geschichte zwischen November 2007 und März 2009 steht ein Anleger, der zum Zeitpunkt der Auflegung Fondsanteile gezeichnet hat, heute auf der Gewinnerseite. 

(1) Quelle: Robert D. Arnott: Dividends and the Three Dwarfs, Editor’s Corner, Financial Analysts Journal, 2003.

 

>> Investmentstrategie 2011 - Lesen Sie Teil 4

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Guy Wagner ist Chief Economist der Banque de Luxembourg.

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