Im Folgenden möchte ich einige zentrale Fragen beantworten, die in den beiden zurückliegenden Monaten auf diesem Blog gestellt wurden. Denn auch wenn mich diese aufgrund – mittlerweile gelöster – technischer Probleme erst heute erreicht haben, sind sie aus meiner Sicht weiterhin aktuell.
1. Fragen zum Bereich „Marktanalyse“
- Was sind die „wahren“ Gründe der Finanzkrise?
Die Hauptursache bleibt aus meiner Sicht die Überschuldung. Politische Maßnahmen, die Verbraucher zu weiteren Schulden ermuntern (z.B. die Abwrackprämie) oder die Banken zu einer vermehrten Kreditvergabe zwingen (wenn keine ausreichenden Garantien gestellt werden können), sind meines Erachtens nicht der richtige Weg. Ebenfalls von zweifelhaftem Wert scheint mir die Idee, die Überschuldung des privaten Sektors durch eine Überschuldung des öffentlichen Sektors zu ersetzen.
- Glauben Sie, dass die nächste Blase bevorsteht?
Diese Frage lässt sich im Moment nicht beantworten. Allerdings hat die Vergangenheit gezeigt, dass Niedrigzinsphasen allgemein einen geeigneten Nährboden für das Aufkommen von Spekulationsblasen bieten. Diese entstehen vor allem in Bereichen, die die Fantasie der Anleger anregen (zum Beispiel die Technologiebranche gegen Ende der 1990er-Jahre). Demnach wären die Schwellenländer und die Rohstoffe/Edelmetalle – Thema „Industrialisierung Asiens“ – aktuell Kandidaten für eine Spekulationsblase.
- Wie schätzen Sie Gold ein?
Ich habe schon immer die Meinung vertreten, dass Gold ein Spekulations- und kein Anlageobjekt ist. Dahinter steckt die Tatsache, dass Gold keinen inneren Wert besitzt, während eine Aktie beispielsweise einen Anspruch auf die künftigen Gewinne (Cash-Flow, Dividenden) eines Unternehmens bzw. seine Vermögenswerte darstellt. Gold bietet weder eine Verzinsung noch einen Cash-Flow (und hat in der Wirtschaft nur einen sehr begrenzten Nutzen), es ist nur exakt so viel Wert, wie ein Anleger zu einem gegebenen Zeitpunkt bereit ist, dafür zu bezahlen.
Von Warren Buffet ist zum Gold folgendes Zitat überliefert: "Gold gets dug out of the ground in Africa, or someplace. Then we melt it down, dig another hole, bury it again and pay people to stand around guarding it. It has no utility. Anyone watching from Mars would be scratching their head."
Allerdings gibt es Situationen, in denen eine Spekulation durchaus sinnvoll sein kann, und derzeit sprechen zahlreiche Argumente für Gold:
- Im aktuellen Niedrigzinsumfeld gehen mit einer „Anlage“ in Gold nur geringe Opportunitätskosten einher.
- Die Angst, dass Staaten zur Finanzierung ihrer Überschuldung die Notenpressen anwerfen könnten, lässt das Vertrauen in Papiergeld schwinden.
- Nach der Verdoppelung der Goldförderung zwischen 1980 und 1999 ist seither eine Stagnation zu beobachten.
- Die Nachfrage aus Asien und insbesondere China und Indien.
- Inflation/Deflation?
Die Deflation ist derzeit ein Faktum, die Inflation eine Möglichkeit. Anders ausgedrückt: Das heutige, von steigender Arbeitslosigkeit und Überkapazitäten in der Produktion geprägte Wirtschaftsumfeld ist zweifelsohne deflationistisch. Auf längere Sicht besteht indes die Gefahr, dass die aktuellen geld- und haushaltspolitischen Strategien zu einem Wiederaufflammen der Inflation führen. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um ein unabwendbares Schicksal (der Fall Japans beweist dies seit Jahren); eine ganz entscheidende Rolle kommt in diesem Punkt dem künftigen Kurs der Regierungen und Notenbanken zu.
2. Fragen zum Bereich „Fondsmanagement“
- Warum verzichten Sie auf eine Teilabsicherung Ihres Engagements in asiatischen Aktien?
Da wir die asiatischen Märkte strukturell positiv einschätzen, beschränken wir unsere Absicherung auf den US-Markt und Europa.
- Warum halten Sie an Ihren USD-Positionen fest?
In der Praxis zeigt sich derzeit eine inverse Korrelation zwischen dem US-Dollar und den Börsenmärkten (in steigenden Märkten sinkt der US-Dollar, in fallenden Märkten zieht er an). Deshalb hat der US-Dollar im BL-Global Flexible durchaus seine Existenzberechtigung, denn Ziel dieses Fonds ist ja ein Portfolio, das sich in verschiedenen Wirtschafts- und Börsenszenarios behaupten kann.
- Droht die Gefahr eines Crashs am Anleihenmarkt?
Diese hängt eng mit der Gefahr einer Rückkehr sehr hoher Inflationsraten zusammen. Wie ich bereits dargelegt habe, sollten Anleger dies genau im Auge behalten. Derzeit befinden wir uns jedoch in einem Deflationsszenario, welches für Anleihemärkte eher vorn Vorteil ist (diese Aussage bezieht sich ausschließlich auf Staatsanleihen, die den Löwenanteil der Anleihekomponente des BL-Global Flexible ausmachen).
Abgesehen vom Inflationsrisiko besteht auch die Möglichkeit, dass ein Staat seine Schulden nicht tilgen kann. Diese Gefahr steigt in einem deflationistischen Umfeld naturgemäß. In der Eurozone kommt diesem Szenario eine größere Bedeutung zu, weil es diesseits des Atlantiks wesentlich schwieriger ist, die Notenpresse anzuwerfen (d.h. die Zentralbank druckt Geld, mit dem sie anschließend Anleihen kauft, die der Staat für die Finanzierung seines Defizits emittiert hat), als beispielsweise in den USA . Aus diesem Grund hält der BL-Global Flexible in der Eurozone auch lediglich deutsche und niederländische Staatsanleihen.
- Performance des BL-Global Flexible seit Jahresanfang?
Seit Jahresanfang verzeichnet der BL-Global Flexible eine Performance von 12,21%.

