Angesichts der Entwicklung der langfristigen Zinsen (10-jährige Bundesanleihe unter 2,4%) sowie des schrumpfenden Zinsgefälles zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen müssen Anleger, welche ein höheres Einkommen aus ihren Finanzinvestitionen anstreben, vertraute Pfade verlassen und neue Wege einschlagen. Einige Möglichkeiten möchte ich hier vorstellen:
- Auf andere Währungen lautende Anleihen: Auf AUD, NZD oder BRL lautende Anleihen guter Bonität bieten beispielsweise Renditen von über 5%. Der Anleger geht hierbei natürlich ein gewisses Wechselkursrisiko ein, vor allem auch, weil die Kurse dieser Währungen bereits gestiegen sind. In Anbetracht der guten Fundamentaldaten der Länder dürfte der Wert dieser Währungen unseres Erachtens auf lange Sicht weiter steigen. Vorübergehende Korrekturen sind allerdings nicht auszuschließen, vor allem, weil einigen dieser Währungen aufgrund ihrer Abhängigkeit von der Entwicklung der Rohstoffe eine gewisse Zyklizität zugeschrieben wird. Die Zinsdifferenz zu Anleihen auf Euro beschert Anlegern indes eine Sicherheitsmarge, wie das nachstehende Beispiel verdeutlicht:
Eine Siemens-Anleihe in EUR mit vier Jahren Laufzeit bringt derzeit eine Rendite von ca. 2%, während eine Nestlé-Anleihe in AUD mit gleicher Laufzeit rund 5,2% bietet. Ein AUD ist zurzeit 0,72 EUR wert. Unter Berücksichtigung des Zinsgefälles läge die Rendite der Nestlé-Anleihe erst dann unter dem entsprechenden Wert der Siemens-Anleihe, wenn sich der australische Dollar bei Endfälligkeit der Anleihe unter 0,645 EUR befände (dies entspräche einem Rückgang von etwas über 10%).
Gesamtrendite über 4 Jahre (in %)

Entwicklung des AUD/EUR-Kurses
über 5 Jahre

- Mikrofinanz: Einige Fonds der Banque de Luxembourg investieren seit zwei Jahren erfolgreich in diesem Segment. Über die Auflegung eines Mikrofinanzfonds möchten wir künftig auch Kunden, welche nicht in diesen Fonds investiert sind, Zugang zu dieser Anlageklasse bieten. BL Microfinance Fund ist ein geschlossener Fonds (thesaurierend) mit einer Laufzeit von drei Jahren (Fälligkeit 31.12.2013). Der Mindestanlagebetrag liegt bei 125.000 EUR, und die Zeichnungsperiode erstreckt sich über zwei Monate. Auf Basis der aktuellen Marktbedingungen liegt das Renditeziel des Fonds bei ungefähr 5% netto p.a.
- Anleihen auf EUR von Emittenten einer höheren Risikokategorie, sei es im Staatsanleihebereich (Griechenland, Portugal usw.) oder bei Unternehmensanleihen. Die Fonds der Banque de Luxembourg halten derzeit keine Titel südeuropäischer Staaten in ihren Portfolios. Staatsanleihen einiger Schwellenländer sind dagegen vertreten. Was Unternehmensanleihen angeht, so bevorzugen wir generell Aktien von Qualitätsunternehmen gegenüber Anleihen mehr oder weniger hoch verschuldeter Firmen. Die einzigen High Yield-Bonds, welche wir halten (und dies auch nur im BL-Global Flexible), stammen vom mexikanischen Zementproduzenten Cemex. Die beiden 2014 bzw. 2017 fälligen Anleihen bieten eine Rendite bei Fälligkeit von ca. 10% in Euro. Cemex ist nach Lafarge und Holcim der drittgrößte Zementhersteller weltweit und galt als eine der bestgeführten Gesellschaften in Lateinamerika. Kurz vor der Krise kam es allerdings zu einer großen fremdkapitalfinanzierten Akquisition (Übernahme der australischen Rinker Materials 2007). Cemex musste die Konditionen seiner Bankkredite in der Folgezeit nachverhandeln, scheint mittlerweile jedoch auf dem richtigen Kurs zu sein. Ein großer Teil des Umsatzes erzielt das Unternehmen in den USA. Das aktuelle Cemex-Rating von 'B' bestätigt indes, dass die Anleihen zweifelsohne mit einem Risiko einhergehen und sich nicht für alle Anleger eignen.
- Anleihen auf EUR außerhalb der klassischen Kategorien: In den vergangenen Jahren emittierten einige Unternehmen so genannte Perpetual Bonds, d.h. Anleihen mit unbegrenzter Laufzeit, respektive Anleihen mit sehr langen Laufzeiten (100 Jahre). Oft handelt es sich hierbei um nachrangige Papiere. Unter den Emittenten finden sich viele Finanzinstitute, aber auch Industrieunternehmen mit hoher Bonität. In einigen unserer Portfolios halten wir Anleihen dieser Art von Bayer, Linde und Henkel. Meist sind diese Titel mit einem festen Anfangskupon ausgestattet. Dieser wird nach einigen Jahren zu einem variablen Kupon, dessen Verzinsung auf dem Geldmarktsatz zuzüglich einer Marge von 200 bis 300 Basispunkten (2 bis 3 Prozentpunkte) basiert. In der Regel kann das Unternehmen die Anleihe zu vorher festgelegten Terminen vorzeitig zurückzahlen. Die Bayer-Anleihe in unserem Portfolio wurde beispielsweise 2005 mit Fälligkeit 2105 und einem jährlichen Kupon von 5% bis zum Jahr 2015 begeben. Ab 2015 kann Bayer die Anleihe zu 100% zurückzahlen. Andernfalls erhält der Anleger einen jährlichen Kupon auf Basis des 3-Monats-Interbankensatzes plus 280 Basispunkte (2,8 Prozentpunkte). Genau wie herkömmliche Anleihen können diese Papiere jederzeit am Markt verkauft werden. Turbulente Marktphasen (wie 2008) belasten die Kurse dieser Anleihen allerdings tendenziell stark (aufgrund der langen Laufzeiten), sodass diese nicht mehr unbedingt die Fundamentaldaten des Emittenten widerspiegeln. Anleger, die in solchen Phasen verkaufen müssen, könnten empfindliche Verluste einfahren.
- Dividendenstarke Aktien: Viele Unternehmen zahlen derzeit eine angesichts des niedrigen Zinsniveaus durchaus sehr attraktive Dividende. In einigen Fällen sind die Renditen der Aktien des Unternehmens sogar höher als diejenigen seiner Anleihen. Ein Beispiel hierfür ist der französische Medien- und Kommunikationskonzern Vivendi. Beim aktuellen Kurs bietet die 2014er Vivendi-Anleihe eine Rendite bei Fälligkeit von 2,9%. Vivendis Aktionäre hingegen erhalten eine Dividendenrendite von 5,3% netto. Aktien sind sicherlich volatiler als Anleihen (und ein Unternehmen muss zunächst seine Fremdkapitalzinsen bedienen, bevor es Dividenden ausschüttet). Für Anleger, die diese Volatilität jedoch nicht schreckt und die ausschließlich ihr Anlageergebnis im Jahr 2014 im Blick haben, stellt die Vivendi-Aktie eine interessante Alternative zur Anleihe dar. Genau wie bei meinem Beispiel mit dem AUD besteht auch hier durch die höhere Rendite der Aktien eine Sicherheitsmarge für den Fall, dass Vivendis Aktienkurs sinken sollte. Erst bei einem Kursverlust von mehr als 10% (vom aktuellen Kursstand aus betrachtet) wäre die Aktie der Anleihe nicht mehr überlegen. Und die Vivendi-Aktie hat an der Börse in den zurückliegenden drei Jahren bereits rund 40% verloren.
Aktienkurs von Vivendi über 5 Jahre

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die obigen Anlageideen natürlich volatiler sind als traditionelle festverzinsliche Anlagen. Diese höhere Volatilität ist der Preis für eine höhere Rendite. Für Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont sollte sie kein allzu großes Problem darstellen.

