Die kurz- und auch mittelfristige Kursentwicklung von Währungen lässt sich nur sehr schwer antizipieren. Gleichzeitig müssen Anleger einen allgemeinen Rahmen definieren, innerhalb dessen sie ihre Währungsallokationen steuern. Heute möchte ich meinen grundlegenden Überlegungen hierzu vorstellen:
- Die Tatsache, dass zahlreiche Industrieländer entschlossen scheinen, eine implizite (über Inflation) oder explizite (durch Abwertung oder Währungsreform) Entwertung ihrer Landeswährung zu betreiben, erscheint mir beunruhigend. Diese versteckte Form des Protektionismus wird der Weltwirtschaft mehr schaden als nutzen.
- Beide großen Währungen – der US-Dollar und der Euro – befinden sich in einer schwierigen Lage: Während in den USA die Gefahr eines Anwerfens der Notenpresse dominiert, leidet der Euro unter den Problemen der Peripherieländer sowie unter der wachsenden Schere zwischen Nord- und Südeuropa.
- Der US-Dollar bleibt – bis zum Beweis des Gegenteils – eine Fluchtwährung, sobald die Risikoaversion der Anleger steigt. In den drei vergangenen Jahren wertete die US-Währung in fallenden Aktienmärkten gegenüber dem Euro tendenziell auf, in steigenden wertete sie ab.
- An den Devisenmärkten hat der Euro den Status des „Anti-Dollar“ inne. Solange China eine deutliche Aufwertung des Yuan verhindert, bleibt der Euro die Standardalternative für all jene, die aus dem Dollar aussteigen wollen. Dies bedeutet aber auch, dass ein sinkender Dollar die asiatischen Währungen und sogar Währungen wie das Pfund Sterling mit nach unten zieht.
- Jene Industriestaaten, die über stärkere Fundamentaldaten verfügen und weniger zum Gang zur Notenpresse neigen (Australien, Kanada, Norwegen), haben mittlerweile relativ teure Währungen. „Ungeliebte Währungen“ wiederum, wie das Pfund Sterling, scheinen derzeit billig.
- Grundsätzlich weisen die Schwellenländer bessere Fundamentaldaten auf als die Industriestaaten.
- Für Währungen lässt sich nur schwer ein „innerer Wert“ berechnen. Legt man Theorien wie die Kaufkraftparität zugrunde, scheint die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar um rund 10% überbewertet, wobei der US-Dollar gegenüber den asiatischen Währungen ebenfalls überbewertet ist. Bislang tendierte der US-Dollar langfristig immer zu einer Korrektur seiner Über- bzw. Unterbewertung gegenüber den europäischen Währungen. Die aktuelle Unterbewertung ist allerdings nicht besonders ausgeprägt: In den zurückliegenden zehn Jahren war er bis zu 25% unter- (2008) und bis zu 20% überbewertet (Ende 2000).
- Sowohl die Bewertung als auch die Fundamentaldaten sprechen langfristig für eine Aufwertung der asiatischen Währungen. Eine solche Aufwertung würde dazu beitragen, die Weltwirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Zudem böte sie Unterstützung im Kampf gegen den in Asien zurzeit entstehenden Inflationsdruck.
- Einer zu raschen Aufwertung ihrer Währungen werden sich die asiatischen Regierungen allerdings weiterhin widersetzen; ein Beweis hierfür sind nicht zuletzt die in einigen Ländern eingeführten Kontrollen (Taiwan, Thailand, Südkorea). Zudem lassen sich auch die asiatischen Währungen nicht alle über einen Kamm scheren: Der thailändische Baht ist beispielsweise relativ teuer, während der Hongkong-Dollar, der Taiwan-Dollar und der koreanische Won eher günstig sind.
Diese Erwägungen werden innerhalb des BL-Global Flexible wie folgt umgesetzt:
- Währungsallokation:
- EUR: 34%
- USD: 29%
- Asiatische Währungen ohne JPY: 12%
- Währungen anderer Industriestaaten (CAD, NOK, JPY, CHF): 12%
- GBP: 9%
- Andere: 4%
- Das Netto-USD-Exposure wurde über Devisentermingeschäfte (jeweils zur Hälfte gegen den Euro und den Singapur-Dollar) auf 15% reduziert.
- Das Netto-GBP-Exposure wurde über Devisentermingeschäfte gegen den Euro auf 5% reduziert.
- Unter Berücksichtigung dieser Absicherungen ergibt sich folgende Währungsallokation:
- EUR: 45%
- Asiatische Währungen ohne JPY: 19% (davon 11% SGD)
- USD: 15%
- Währungen anderer Industriestaaten: 12%
- GBP: 5%
- Andere: 4%

