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Die gefährliche Politik der amerikanischen Zentralbank

Freitag 05 November 2010 | 0 Kommentare | Kategorie: Marktanalyse

“Money may no longer be physically printed and distributed in the voluminous quantities of 1923. However, ‘quantitative easing’, that modern euphemism for surreptitious deficit financing in an electronic era, can no less become an assault on monetary discipline. Whatever the reason for a country’s deficit – necessity or profligacy, unwillingness to tax or blindness to expenditure – it is beguiling to suppose that if the day of reckoning is postponed, economic recovery will come in time to prevent higher unemployment or deeper recession. What if it does not? It is alarming that some respected bankers and economists today, in the US as in Britain, are still able to commend ‘the printing press’ (in so many words!) as a fail-safe, a last resort. A country’s budget can indeed be balanced in that way, but at the cost, to whatever degree, of its citizens’ savings and pensions, their confidence and trust, their morals and their morale.” Adam Ferguson (2010)

Der Fed-Entscheid ist gefallen – erwartungsgemäß hat die US-Notenbank das zweite „quantitative easing“ (QE2), also eine weitere quantitative Lockerung ihrer Geldpolitik beschlossen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, sollen bis Ende Juni 2011 pro Monat 75 Mrd. USD für den Kauf von Staatsanleihen aufgewendet werden. Hinzu kommen – bereits vorher geplante – Reinvestitionen der Einnahmen aus Kupons in Höhe von rund 30 bis 35 Mrd. USD. Über die Aufblähung des Wertes von Finanzanlagen und der Immobilienpreise zielt die Fed auf einen Vermögenseffekt ab, der eine stimulierende Wirkung auf Konsumausgaben und Investitionen ausüben soll. Damit setzt sie die in der Greenspan-Ära Mitte der 1990er-Jahre eingeleitete katastrophale Politik fort, welche zu einem großen Teil für die heutigen strukturellen Probleme der USA verantwortlich zeichnet. Mit künstlich niedrigen Zinsen wurde eine Missallokation von Ressourcen gefördert, die Spekulationen anstelle von Produktivinvestitionen forcierte. Einmal mehr zeigt sich mit der Entscheidung dieser Woche, dass die US-Notenbank mittlerweile eine Gefahr für die langfristige Gesundheit der amerikanischen Volkswirtschaft darstellt.

Fatalerweise wirkt sich die Politik der Federal Reserve, d.h. der Notenbank des USD und damit der wichtigsten Reservewährung, nicht nur auf die Vereinigten Staaten aus, sondern auf die gesamte Weltwirtschaft. Seit der Ankündigung einer zweiten quantitativen Lockerung ist der Wert des USD gegenüber anderen Währungen deutlich gesunken. Besonders ausgeprägt zeigt sich dieser Rückgang gegenüber dem Euro, da die asiatischen Währungen, welche aufgrund der guten Fundamentaldaten naheliegende Aufwertungskandidaten wären, weiterhin mehr oder weniger direkt an den USD gekoppelt sind. Indem die USA zur Förderung ihres Exports eine mehr oder weniger explizite Abwertung ihrer Währung betreiben, leisten sie einer Art von Protektionismus Vorschub, der die weltwirtschaftlichen Probleme weiter verschärfen könnte. Da die Dollar-Abwertung zu einer Hausse der Rohstoffpreise führte – der Ölpreis stieg in den beiden zurückliegenden Monaten beispielsweise um knapp 18% an –, belastet sie paradoxerweise den US-Konsumenten zusätzlich.

Entwicklung  USD gegenüber EUR

Für Vermögensverwalter stellt sich durch das QE2 ein weiteres Problem: Die Lockerung birgt die Gefahr, dass das Auseinanderdriften von Finanzmärkten und Realwirtschaft weiter anhält. Uneingeweihte Beobachter könnten den 16%igen Anstieg der US-Börse seit Ende August auf eine Verbesserung der ökonomischen Rahmenbedingungen in den USA zurückführen. In Wirklichkeit nahm diese Hausse jedoch mit der QE2-Vorankündigung durch den Fed-Chef Ben Bernanke erst ihren Lauf. Und der Auslöser für die Entscheidung der US-Notenbank, eine zweite Lockerung durchzuführen, war die schlechte Wirtschaftslage.

Entwicklung des S&P500 über 1 Jahr

 

Die unterschiedliche Entwicklung der Finanzmärkte und der Realwirtschaft könnte sich noch einige Zeit fortsetzen (ein positives Signal ergibt sich anscheinend aus technischer Sicht aus der Tatsache, dass der S&P500 die 1220er-Marke durchbrochen hat). Die Geduld und Disziplin zahlreicher Anleger, die vor allem im aktuellen Niedrigzinsumfeld der Versuchung dieser Hausse erliegen könnten, wird möglicherweise auf den Prüfstand gestellt. Aufgrund der Geldpolitik der Zentralbanken und insbesondere der Federal Reserve sehen sich außerdem viele professionelle Investoren, die an der Performance ihrer Portfolios im Vergleich zu Börsenindizes gemessen werden, gezwungen, Risiken einzugehen.

Kurzfristigen Aufwärtsbewegungen der Börse zu folgen, stellt jedoch keine Anlagestrategie dar – vor allem wenn diese Bewegungen bereits fortgeschritten sind und nicht auf soliden Fundamentaldaten beruhen. Die beste Möglichkeit, sein Kapital zu schützen und zu mehren, bleibt nach wie vor, Qualität zu angemessenen Preisen zu kaufen, ohne sich von den täglichen Schwankungen der Märkte ablenken zu lassen. Es geht nicht darum, ob man als Anleger „bullish“ (optimistisch) oder „bearish“ (pessimistisch) ist, sondern darum, innerhalb der Märkte Anlageobjekte zu identifizieren, die dieses Kriterium erfüllen. Vor diesem Hintergrund sind die interessantesten Anlagethemen nach wir vor folgende:

 - Schwellenländer – entweder über direkte Anlagen an den Finanzmärkten dieser Länder (allerdings sind die lokalen Börsenindizes für Investitionen in das Wachstum Asiens aufgrund der häufig vorzufindenden Dominanz von Exportunternehmen nicht unbedingt ideal), oder über Unternehmen aus den USA oder Europa, die einen hohen Anteil ihres Umsatzes in diesen Ländern erzielen.

 - Dividendenstarke Unternehmen.

 - Qualitätsunternehmen, weil diese im Vergleich zum Markt und zu qualitativ schlechteren Unternehmen normalerweise mit einer Prämie gehandelt werden, die jedoch derzeit nicht existiert.

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Guy Wagner ist Chief Economist der Banque de Luxembourg.

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