Das aktuelle Finanzmarktumfeld spricht für eine aktive Anlagestrategie. Bei den beiden großen Anlageklassen - Aktien und Anleihen - droht eine passive Strategie, die lediglich auf Kaufen und Halten setzt, enttäuschende Renditeergebnisse zu bringen.
Für Anleihen scheint der große Haussemarkt, der 1982 begonnen hatte, beendet. Bedingt durch das inflationistische Umfeld waren die Anleiherenditen in den 1970-er Jahren stark gestiegen und lagen im Jahr 1982 sehr hoch. In der Folge führte der Inflationsrückgang zu sinkenden langfristigen Zinsen und zu steigenden Kursen.
Heute sind die Anleiherenditen relativ niedrig. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Anleihen deshalb ihre Berechtigung verloren hätten. Bei zunehmendem Deflationsdruck würden die Zinsen am langen Ende weiter sinken, was Anleihen, zumindest Staatsanleihen, zugute käme. Allerdings begrenzt das niedrige Zinsniveau derzeit naturgemäß das Renditepotenzial der Anleihemärkte und erhöht gleichzeitig deren Volatilität: Bei einem Zinsniveau von 3 % hat ein Zinsanstieg um 1 % natürlich viel stärkere Auswirkungen auf den Kurs einer Anleihe als bei einem Niveau von 10 %. Aus diesem Grund ist eine aktive Strategie gefragt.
Im Aktienbereich ist eine passive Anlagestrategie nur in strukturellen Haussemärkten sinnvoll. Korrekturen sind dann meist im Umfang wie auch in der Dauer begrenzt, und die Indizes steigen recht schnell wieder auf ihr Niveau vor der Korrektur.
Die Geschichte der US-Börse besteht aus einer Abfolge einander abwechselnder Hausse- und Baissemärkte. Jede Hausse beginnt mit einem äußerst niedrigen Bewertungsniveau (da die Anleger pessimistisch sind) und endet mit hohen Bewertungen (und großem Optimismus).

Wir stehen heute nicht am Anfang eines großen Haussemarktes. Warum? Der Aktienkurs eines Unternehmens (K) entspricht dem Gewinn (G) je Aktie dieses Unternehmens multipliziert mit dem Faktor, den Anleger für diesen Gewinn zu zahlen bereit sind (KGV):
K = G x KGV.
Was für ein einzelnes Unternehmen gilt, gilt genauso für den Markt als ganzen: Damit ein Aktienindex ansteigt, müssen entweder die Unternehmensgewinne wachsen oder die Bewertungen steigen (oder beides).
In den großen Haussemärkten der Vergangenheit kombinierten sich diese beiden Faktoren, so dass die Renditen entsprechend hoch waren.
Wie ist die Situation heute?
- Unternehmensgewinne: Langfristig entspricht das Wachstum der Unternehmensgewinne dem Wachstum der Gesamtwirtschaft, dem Bruttoinlandsprodukt (BIP): Zwischen 1947 und 2008 wuchs das BIP in den USA nominal durchschnittlich um 7,01 % p. a., die Unternehmensgewinne um 7,13 %. Zeitweise kann es vorkommen, dass die Gewinne schneller wachsen als das BIP. In diesen Phasen erhöht sich der Anteil der Unternehmensgewinne am BIP zu Lasten des Anteils der Löhne und Gehälter. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass eine solche Situation in einer Demokratie nicht endlos fortbestehen kann; früher oder später kehrt sich das Kräfteverhältnis zwischen Unternehmensgewinnen und Löhnen (bei Karl Marx „Kapital“ und „Arbeit“) wieder um. In einer solchen Situation befinden wir uns offenbar zurzeit. In den vergangenen Jahren stieg der Anteil der Unternehmensgewinne am BIP in den USA von 7 auf 13 %. Aufgrund der Wirtschaftskrise und ihren Auswirkungen (striktere Reglementierung, zunehmende Einflussnahme des Staates in der Wirtschaft, Abkehr von marktwirtschaftlichen Prinzipien) dürfte dieser Anteil in den kommenden Jahren nun wieder sinken. Zusammengefasst droht ein Umfeld, in dem die Unternehmensgewinne langsamer wachsen als das BIP, und das, obwohl das BIP-Wachstum bereits geringer sein dürfte als in den zwei Jahrzehnten zuvor (vgl. mein Artikel vom 8. Mai 2009).
Wichtig scheint mir auch ein weiterer Punkt: In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen in großem Stil eigene Aktien zurückgekauft, so dass ihr Gewinn PRO AKTIE stärker gewachsen ist als ihr Gewinn. In vielen Fällen wurden diese Rückkäufe durch Schuldaufnahme finanziert. Auch hier könnten wir in den kommenden Jahren eine Trendwende erleben und sehen, dass immer mehr Unternehmen zu Kapitalerhöhungen greifen werden, um ihre Verschuldung zu senken.
- Bewertungen: Derzeit liegen die Bewertungen weit über dem Niveau, das die Märkte in der Vergangenheit zu Beginn großer Haussephasen hatten (vgl. mein Artikel vom 7. April 2009).
Auch dies bedeutet nicht, dass Aktien an sich unattraktiv wären. Es wird immer Unternehmen geben, die die notwendigen Kriterien für einen langfristigen Kursanstieg (d. h. Gewinnwachstum und attraktive Bewertung) erfüllen. Zumindest für die amerikanischen und europäischen Märkte ist jedoch von einer Strategie abzuraten, die lediglich passiv einen Index nachbildet.
BL Global Flexible – Anlagepolitik
Der BL-Global Flexible ist ein Mischfonds, der in Aktien, Anleihen und Geldmarktinstrumente investiert. Der Anteil der einzelnen Anlageklassen im Fonds ist variabel und wird abhängig vom Bewertungsniveau der jeweiligen Klasse und der allgemeinen Marktsituation festgelegt. Referenzwährung des Fonds ist der Euro.
BL Global Flexible – Drei Grundprinzipien
1. Der Fonds legt seinen Schwerpunkt auf Aktien. Mittel- und langfristig ist die Gesamtrendite (Kursgewinn + Dividende) von Aktien hochwertiger Unternehmen, sofern diese zu einem vernünftigem Kurs gekauft wurden, höher als die von Geldmarktanlagen oder Anleihen. Obwohl der Aktienanteil im BL-Global Flexible theoretisch von 0 bis 100 % variieren kann, liegt er in der Praxis eher zwischen 20 und 90 %.
2. Der Anleihenanteil besteht schwerpunktmäßig (aber nicht ausschließlich) aus Staatsanleihen. Dahinter steht der Gedanke, dass sich das Unternehmensrisiko im Fonds im Aktienanteil wiederfindet; der festverzinsliche Anteil hingegen gilt als Gewähr für regelmäßige Einkünfte und übernimmt in Baissephasen der Aktienmärkte eine stabilisierende Funktion.
3. Der Aktienanteil des Fonds orientiert sich nicht an einem bestimmten Vergleichsindex, und die Anzahl der Positionen liegt selten bei mehr als dreißig. Der Fonds investiert nicht oder nur in sehr geringem Maße in Branchen wie Finanzen, Versorger oder Rohstoffe, die in manchen Indizes einen großen Anteil ausmachen.




2010