Nachrichten und Analysen der Finanzmärkte online mit Guy Wagner
FR EN DE

BL-Global Flexible - Stand Mitte Juni 2011

Mittwoch 15 Juni 2011 | 0 Kommentare | Kategorie: Fondsmanagement

Wirtschafts- und Finanzumfeld – wichtige Faktoren für die Portfolio-Verwaltung:

– Die jüngsten Daten bestätigen die Anfälligkeit der US-Erholung. In früheren Konjunkturzyklen bestand ein direkter Zusammenhang zwischen der Tiefe der Rezession und der Dynamik der Erholung: Je schwerer die Rezession, desto kräftiger die anschließende Erholung. Dieses Muster wird im aktuellen Zyklus durchbrochen. Besonders in allen vom privaten Verbrauch abhängigen Sektoren tritt die Schwäche der derzeitigen Erholung zutage. Es gibt aktuell weniger Arbeitsplätze als im Jahr 2000, obwohl die Bevölkerung um rund 30 Millionen gewachsen ist, und nur 20% der Arbeitsplätze, die der Rezession zum Opfer fielen, wurden in der Erholungsphase wieder geschaffen. Das durchschnittliche verfügbare Einkommen ist auf realer, d.h. inflationsbereinigter, Basis gesunken, und die Immobilienpreise geben nach einer Stabilisierungsphase erneut nach. Die Schwäche der Erholung ist umso offenkundiger, wenn man bedenkt, dass die Regierungen steuerliche und geldpolitische Konjunkturmaßnahmen von nie gekanntem Ausmaß ergriffen haben. Doch all diese Maßnahmen können in einer stark verschuldeten Volkswirtschaft wie den USA immer weniger bewirken und werden gleichzeitig zu einer Gefahr für die Zahlungsfähigkeit des Landes.

– In Europa wird weiterhin um das Für und Wider einer Umschuldung Griechenlands gerungen, was mittlerweile für erhebliche Spannungen sorgt – besonders zwischen der Europäischen Zentralbank und deutschen Bundesregierung. Durch die aktuellen Probleme werden die Konstruktionsfehler der europäischen Währung offenkundig. Das Engagement europäischer Banken in Staatsanleihen von Randländern der Eurozone sowie amerikanischer Geldmarktfonds in Papieren europäischer Banken bildet bereits den Nährboden für eine neue systemische Krise. Vor diesem Hintergrund ist es enttäuschend, wie wenig Änderungen seit der Krise 2008 erfolgt sind, und welche enormen Risiken das Finanzsystem weiter in sich birgt.

– Die Schwellenländer weisen im Vergleich zu den wichtigsten Industrieländern nach wie vor wesentlich bessere Fundamentaldaten auf. Durch den Höhenflug der Rohstoffkurse und besonders der Lebensmittelpreise entstand Inflationsdruck, der geldpolitische Straffungen auslöste, was wiederum die Börsen der Region belastete. In den zurückliegenden Wochen kamen Ängste vor einer ausgeprägten Konjunkturverlangsamung sowie einer Krise des chinesischen Bankensystems hinzu, die zum jetzigen Zeitpunkt indes unbegründet erscheinen. Schrittweise übernehmen die Schwellenländer die Rolle der USA als Lokomotive der Weltwirtschaft.

– Auf Basis der normalisierten Gewinne ist die Bewertung des US-Marktes und der europäischen Märkte nicht attraktiv. Innerhalb dieser Märkte finden sich jedoch durchaus interessante Anlagemöglichkeiten.

– Staatsanleihen haben sich strukturell zu einer wenig attraktiven Anlageklasse entwickelt. Diese Schlussfolgerung basiert direkt auf dem derzeit sehr niedrigen Niveau der langfristigen Zinsen, welches das Renditepotenzial limitiert und die Volatilität von Rentenanlagen steigert. Infolge der Verschlechterung der Staatsfinanzen zahlreicher Länder, die mittlerweile ungekannte Ausmaße annimmt, büßen Staatsanleihen zudem ihren „risikolosen“ Charakter ein. Das Risiko eines Portfolios nur an seiner Aktienallokation festzumachen, scheint daher heute immer weniger angemessen.

– Die Entwicklungen innerhalb der Weltwirtschaft sprechen weiterhin für eine strategische Neuausrichtung der Portfolios zugunsten der Schwellenländer bzw. jener Unternehmen aus Industrieländern, die einen wachsenden Anteil ihres Gewinns in den Schwellenländern erwirtschaften. 

Asset Allocation

Wir haben die jüngste Korrektur der Börse bzw. einzelner Titel genutzt, um unsere Aktienallokation auf Nettobasis auf 57% zu erhöhen. Diesem Wert liegt eine Brutto-Aktienallokation von 87% zugrunde, wovon 30 Prozentpunkte über den Verkauf von Futures auf Börsenindizes abgesichert sind.

Asset Allocation - BL-Global Flexible - juni 2011 

 

Eine Strategie der Absicherung des Aktienrisikos über Futures bietet unseres Erachtens gegenüber einer „einfachen“ Aktienallokation von 55% einen zweifachen Vorteil:

- Wir müssen nicht 43% (also den nicht in Aktien investierten Portfolio-Anteil) in derzeit kaum attraktiven Geld- oder Rentenmarktanlagen parken.

- Wir können einen sehr hohen Anteil des Portfolios in Aktien von Qualitätsunternehmen investieren, die aktuell in vielen Fällen bessere Fundamentaldaten bieten als Staaten und häufig attraktive Dividenden ausschütten. Das besonders unsichere makroökonomische Umfeld spricht aus unserer Sicht weiter für eine „Long Quality/Short Market“-Strategie. Und die Qualität der Portfolio-Unternehmen liegt unseres Erachtens deutlich über der des Gesamtmarktes.

Aus geographischer Sicht sind Schwellenländer aufgrund des Wachstumsgefälles und der wesentlich besseren Fundamentaldaten vorzuziehen. Das Portfolio ist mit 19% an Börsen dieser Länder investiert, wobei Südostasien und Brasilien Schwerpunkte bilden.

24% des Portfolios wurden in US-amerikanische und kanadische Aktien angelegt, wovon wir 14% über den Verkauf von Futures auf den S&P 500-Index abgesichert haben. In Nordamerika sind wir im Wesentlichen in Unternehmen aus vier Branchen investiert, nämlich Energie, Gesundheit, Technologie und nichtzyklischer Konsum. Diese Firmen erzielen einen großen Teil ihres Umsatzes außerhalb der USA (vor allem in den Schwellenländern) und profitieren entsprechend vom schwachen US-Dollar. 18% des Portfolios sind in Aktien der Eurozone angelegt, wovon wir 12% über den Verkauf von Futures auf den Euro Stoxx 50-Index abgesichert haben. Die Anlagen in der Eurozone erfolgen überwiegend in defensiven Branchen mit besonderem Augenmerk auf der Dividende. Der Rest der Aktienkomponente verteilt sich auf das Vereinigte Königreich (10%, davon 4% über den Verkauf von Futures auf den FTSE100-Index abgesichert), die Schweiz (6%), Japan (6%), Norwegen (3%) und Dänemark (1%).

Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Aktienportfolios liegt bei 13,3, die durchschnittliche Dividendenrendite bei 3,6% (brutto).

10% des Portfolios sind in Anleihen investiert, wovon 6,5 Prozentpunkte auf langlaufende deutsche Bundesanleihen entfallen und 3,5 Prozentpunkte auf Anleihen, die auf den brasilianischen Real bzw. die indonesische Rupie lauten.

Allokation nach Währungen

Zwischen der Allokation nach Währungen und der Asset Allocation besteht eine gewisse Divergenz, da wir zur Reduzierung des Wechselkursrisikos bestimmter Währungen bzw. zur Erhöhung unseres Engagements in bestimmten Währungen Devisentermingeschäfte abschließen. Primär streben wir Positionen in Devisen aus Staaten an, deren Fundamentaldaten einem AAA-Rating entsprechen. Währungen von Ländern, deren Fundamentaldaten sich verschlechtern und bei denen wir ein größeres Risiko des Anwerfens der Notenpresse sehen, meiden wir. Konkret bedeutet dies, dass speziell unser USD-, GBP- und JPY-Wechselkursrisiko partiell abgesichert ist. Allerdings erfolgt diese Absicherung nur teilweise gegen den Euro, da unser Vertrauen in die europäische Gemeinschaftswährung ebenfalls eingeschränkt ist. Ein großer Teil der USD-, GBP- und JPY-Absicherung besteht gegen den Singapur-Dollar, die norwegische Krone, den kanadischen Dollar und die schwedische Krone.


Allokation nach Währungen vor Devisentermingeschäften - BL-Global Flexible - juni 2011


Allokation nach Währungen nach Devisentermingeschäften - BL-Global Flexible - juni 2011

 

Wertentwicklung 2011

Der Nettoinventarwert des BL-Global Flexible ist seit Jahresanfang um 3% gesunken. Diese Entwicklung erklärt sich vor allem durch die Aufwertung des Euro (Referenzwährung des Fonds) gegenüber den meisten anderen Devisen. Denn im Schnitt hat die europäische Gemeinschaftswährung 2011 4,5% zugelegt, während der BL-Global Flexible lediglich 36% seiner Aktiva – unter Berücksichtigung der Devisentermingeschäfte – in Euro hält.

BL-Global Flexible - juni 2011

Kommentare
Kommentar schreiben
BLI - Banque de Luxembourg Investments

Perspectives: makroökonomische Trends und Marktaussichten

Vierteljährliche Veröffentlichung

PERSPECTIVES

Erfahren Sie mehr über makroökonomische Trends und Marktaussichten.

Bestellen!

Über

Guy Wagner ist Chief Economist der Banque de Luxembourg.

Mehr Informationen

Auf dieser Website suchen

Folgen Sie uns

E-Mail

Archiv