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BL-Global Flexible - Stand 1. Oktober 2010

Montag 04 Oktober 2010 | 3 Kommentare | Kategorie: Fondsmanagement

Im September verzeichnete der Nettoinventarwert (NIW) des Fonds BL-Global Flexible einen Rückgang um -1,67%, während sich die Fondsperformance der ersten neun Monate 2010 auf +8,49% beläuft. Das schlechte Abschneiden im vergangenen Monat mag zunächst überraschen, da die Börsen im September eine deutliche Erholung registrierten und der Fonds zu knapp 40% (netto) in Aktien investiert ist. Zwei Faktoren waren im Wesentlichen für diese Diskrepanz verantwortlich:

- Der Höhenflug des Euro: Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung legte gegenüber allen anderen Währungen und insbesondere gegenüber dem US-Dollar (+7,5%) zu. Da mehr als die Hälfte der Aktiva des Fonds nicht auf Euro lauten, der NIW aber in Euro berechnet wird, kostete der Kursrückgang dieser Währungen den Fonds schätzungsweise rund 3%.

Entwicklung verschiedener Währungen gegenüber dem Euro

- Die Underperformance der Qualitätsunternehmen: Der BL-Global Flexible investiert vorzugsweise in qualitativ hochwertige Unternehmen. Knapp 90% seiner Vermögenswerte sind Aktien, wobei ein Großteil dieses Aktienengagements (50%) über den Verkauf von Futures auf US-amerikanische, britische und europäische Indizes abgesichert wird. In Marktphasen, die von einer Underperformance der Qualitätstitel gegenüber den Indizes gekennzeichnet sind, kann sich diese Strategie negativ auf das Fondsergebnis auswirken.

Underperformance einiger Qualitätsunternehmen


Die beiden zuvor erläuterten Faktoren gehen auf ein etwas bizarres Szenario zurück. Die in den vergangenen Monaten veröffentlichten Statistiken bestätigten insgesamt die Anfälligkeit des Konjunkturaufschwungs, was die Finanzbehörden und besonders die Federal Reserve in den USA veranlasst, über eine neue Runde der quantitativen Lockerung nachzudenken (Stichwort quantitative easing II). Diese Aussichten belasten wiederum den USD (aufgrund der Sorge, dass die Notenpresse angeworfen werden könnte) und unterstützen risikobehaftete Aktiva, da sie im Wesentlichen eine Beibehaltung des extrem niedrigen Zinsniveaus garantieren. Die Risikoscheu der Anleger ist im Zuge dieser Entwicklungen deutlich gesunken. Zyklische Werte sowie Finanzwerte übertreffen ihre Indizes in diesem Umfeld tendenziell, während defensivere Titel eher hinter den Indizes zurückbleiben. Kurz gesagt: Die schlechten Wirtschaftsnachrichten kamen den Börsen zugute.

Diese Konstellation wird jedoch nicht anhalten – früher oder später werden die Fundamentaldaten wieder die Oberhand gewinnen. Für die Devisenmärkte heißt dies: Nachdem im September ausschließlich potenzielle Negativauswirkungen eventueller Maßnahmen der Federal Reserve auf den USD im Mittelpunkt standen, könnten nun die Probleme der Eurozone wieder in den Vordergrund rücken. Denn die jüngsten Entwicklungen – u.a. steigende Kosten der Bankenrettungen in Irland, Ratingherabstufung Spaniens durch Moody’s – geben keinen Anlass zu Optimismus und rechtfertigen nicht wirklich die jüngste Stärke des Euro.

Mit Blick auf die Börsen (der Industrieländer) bleibt festzuhalten, dass sie sich trotz der guten Entwicklung im September seit einem Jahr innerhalb eines relativ engen Korridors bewegen. Anders als am Rentenmarkt reflektieren die Aktienkurse noch nicht das durch schwaches Nominalwachstum geprägte wirtschaftliche Umfeld. Die kurzfristigen Fluktuationen der Börse lassen sich nicht vorhersagen, aber ich glaube weiterhin, dass die nächste große Bewegung der Indizes abwärts gerichtet sein wird. Unabhängig davon dürften sich die Themen „Qualität“, „Dividenden“ und „Schwellenländer“ jedoch weiterhin gut entwickeln, und genau auf diesen Themen basiert das Aktieninvestment des BL-Global Flexible.

 

Aufteilung nach Anlageklasse


(1) Hiervon sind 48% über Futures abgesichert

 

Aufteilung nach Währung (nach eventuellen Wechselkursabsicherungen)

 

Kommentare

LaurentG sagte:

In Ihrem Kommentar "Sommergedanken (3)..." schrieben Sie: "Was Staatsanleihen betrifft, so ist festzuhalten, dass sich manche Länder heute in einer Situation befinden, die zwangsläufig zu einer Umstrukturierung ihrer Schulden führen muss. Allgemein gesprochen sind es die Länder, die die Kontrolle über ihre Währung nicht selbst haben, in denen das niedrige Zinsniveau zu einem übermäßigen Konsum und zu Spekulationsblasen geführt hat und deren Schulden zu einem großen Teil von ausländischen Gläubigern gehalten werden. In den anderen Ländern könnte die Versuchung groß sein, die Inflation anzuheizen, um die realen Kosten der Schuldenfinanzierung zu senken - doch bis dahin ist es noch ein gewisser Weg."
Der "gewisse Weg" ist nun von den Amerikanern gegangen worden, meines Wissens nach werden 600 Millarden USD gedruckt, um wie es heißt die Konjunktur anzukurbeln. Nur ein Verschieben der unausweichlichen Probleme? Auch die anderen Erläuterungen treffen ausnahmslos auf Amerika zu.
In Amerika herrscht jetzt schon eine Arbeitslosigkeit von 10%, 40 Mio Amerikaner sind auf Suppenküchen angewiesen, Armut ist weit verbreitet. Des Weiteren ist die Industrie veraltet und wenig effektiv, vor allem im Hinblick auf Klimaschutz und Energieeffizienz. Die Verschuldung des öffentlichen und privaten Sektors stellt ein weiteres Problem dar. Die Gläubiger sind nicht wie im Fall von Japan die eigene Bevölkerung sondern extern wie z.B. die Chinesen.
Die europäischen Staaten sind zum Teil auch nicht die Gesündesten --> gleiche Gesichtspunkte.
Unter Einbezug all dieser Faktoren wollte ich sehr gerne von Ihnen wissen warum der BL-Global-Flexible Fonds sich immer noch so stark auf den europäischen und nordamerikanischen Markt fokussiert und nicht mehr auf Schwellenländer und Asien umschichtet?
Der Fonds hat sich ja gewollt in keinerlei Hinsicht Grenzen gesetzt, wohl um derartige Portfolios zu erlauben?
Mir ist wohl bewusst, dass Sie 2 Fonds: Emerging Markets und Asia anbieten und doch quält die Frage mich: warum der Global Flexible an der "alten Welt" festhällt?

10 November 2010 - 05:46 PM

Guy Wagner sagte:

Das Festhalten des BL-Global Flexible an der "alten Welt" ist nicht mehr sonderlich ausgeprägt:
- Auf der Anleihenseite hält der Fonds nur noch 6% in deutschen Anleihen, die restlichen 4,5% entfallen auf Schwellenländer;
- Auf der Aktienseite liegt die Nettoallokation (nach Einbeziehung der Abdeckung über Futures) von Asien bei 17%, die von Europa (Eurozone+Grossbritannien+Schweiz) bei 9% und die der USA bei 5%;
Ausserdem sind viele Unternehmen welche der Fonds in Europa und den USA hält sehr stark auf Asien und die Schwellenländer fokussiert.

15 November 2010 - 03:45 PM

Erwin Esly sagte:

In ihren Perspektiven Nr. 126 schreiben Sie, dass die Börsenkurse seit März 2009 um 90 % gestiegen sind. Der BL Global Flexible hat momentan ca. 85 % in Aktien investiert, hat aber z.Z. eine negative Performance von ca. 2,8 %. Woraus resultiert diese negative Performance?

17 Februar 2011 - 03:44 PM

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Guy Wagner ist Chief Economist der Banque de Luxembourg.

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