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Bewertung der Aktienmärkte

Montag 25 Februar 2008 | 0 Kommentare | Kategorie: Marktanalyse

Trotz ihrer Verluste seit Oktober 2007 sind die Aktienmärkte, als Ganzes betrachtet, nicht billig. Die am meisten verwendete Kennzahl zur Beurteilung von Aktien, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), zeichnet hierbei ein etwas falsches Bild. Nach Einschätzung von Morgan Stanley liegt das KGV für Europa zur Zeit bei ungefähr 12 (auf Basis der geschätzten Gewinne für 2008) und für die USA bei 16. Da der langfristige Durchschnitt für beide Märkte bei 15-16 liegt, könnte man daher davon ausgehen, dass der amerikanische Markt korrekt und der europäische Markt attraktiv bewertet ist.

Das Problem bei dieser Sichtweise liegt darin, dass im KGV der Nenner, also die Unternehmensgewinne, sehr hoch ist weil
a. in vielen Branchen die Gewinnmarge der Unternehmen weit über ihrem historischen Durchschnitt liegt und
b. die Gewinnschätzungen für 2008 (und darüber hinaus) in einem von einem weltweiten Konjunkturabschwung und einer anhaltenden Finanzkrise geprägten Umfeld sehr optimistisch erscheinen.

Punkt a. ist daher beunruhigend, da die Geschichte gezeigt hat, dass auf Zeiten sehr hoher Gewinnmargen immer Zeiten niedriger Gewinnmargen folgen, nach dem kapitalistischen Prinzip 'hohe Margen - mehr Konkurrenz - niedrige Margen - weniger Konkurrenz'. Viele Unternehmen mit relativ niedrigem KGV auf Basis der momentanen Gewinne würden teuer erscheinen wenn man ihre Gewinnmarge oder Eigenkapitalrendite normalisieren würde (für einige dieser Unternehmen ist der Anstieg der Marge/Eigenkapitalrendite sicherlich struktureller Natur, jedoch nicht für alle, also den Gesamtmarkt).

Zu Punkt b. ist zu bemerken, dass die Gewinnschätzungen der Analysten traditionell (und besonders nach mehreren guten Jahren) zu hoch sind und im Laufe des Jahres nach und nach zurückgenommen werden. In den USA lag z.B. im Frühjahr 2007 die Gewinnschätzung 2008 für die Unternehmen im S&P500 Index bei durchschnittlich 92$. Seither ist diese Zahl auf 71$ gesunken. Auf Basis der Gewinnschätzungen vom letzten Jahr läge das KGV des S&P bei 15, auf Basis der heutigen bei 19.

Zieht man andere Bewertungskriterien wie Kurs/Umsatz oder Kurs/Eigenkapital zu Rate stellt man fest, dass die heutigen Bewertungen 15-20% über dem langfristigen Durchschnitt liegen. Kurzfristige Erholungen an den Aktienmärkten sollten daher weiterhin zu Verkäufen genutzt werden (wie oben erwähnt gilt diese Aussage für den Gesamtmarkt. Es gibt auch heute schon qualitativ hochwertige Unternehmen, welche nicht zu teuer sind).

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Guy Wagner ist Chief Economist der Banque de Luxembourg.

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